Kulturkramkiste

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Gesellschaft | Persönliches & Nachdenkliches

Blogparade “#SalonEuropa – Europa ist für mich…”

3. Oktober 2018

Geboren wurde ich in einem Land hinter dem Eisernen Vorhang, einem geteilten Land mit einer von einer Mauer geteilten Stadt. Von Europa zu denken, schien unmöglich, denn es herrschte Kalter Krieg, in den Achtzigern wuchsen wir mit der steten Angst vor atomaren Waffen auf. Für uns hinter der Mauer war ein freies offenes Europa damals eine Utopie. Als dann Glasnost und Perestroika folgte, veränderte sich die Welt grundlegend.

Deutschland – dieses geteilte Land im Herzen Europas stand vor einer großen Herausforderung. Es kam zur Wiedervereinigung der beiden deutschen Teilstaaten und 30 Jahren später sehen wir, dass dieses Land nicht wirklich zusammengewachsen ist, noch immer geht eine unsichtbare Grenze durch dieses Land. Die Europäische Union wurde in Richtung Osten erweitert. Offene Grenzen und eine gemeinsame Währung sollten Europa zusammen wachsen lassen. Die Europäische Union entstand aus einem Wirtschaftsbündnis heraus und sollte wirtschaftliche Stabilität bringen. Leider haben wir es nicht geschafft ein gemeinsames Wertebild zu schaffen, mit dem sich die Bürger Europas als Wertegemeinschaft identifizieren können. Heute erheben sich wieder viele Nationalisten und bringen die Zukunft Europas in Gefahr.

Dass Deutschland nach der Erfahrung mit zwei verheerende Weltkriegen, dem Schrecken des Nationalsozialismus, der Teilung des Landes und der Diktatur eines realexistierenden Sozialismus wieder ins rechte Spektrum und in den Nationalismus abdriftet, ist für mich erschreckend. Wenn wir einen Blick auf den Rest Europas werfen, dann werden wir gewahr, dass in anderen europäischen Ländern die Rechtspopulisten ebenfalls wieder an Zuspruch gewinnen, dass viele nicht nur europakritisch agieren, sondern sich für Abschottung aussprechen. Wie geht es mit Europa weiter?

Europa hat bewegte Zeiten hinter sich. An dieser Stelle könnte ich jetzt einen Abriss der europäischen Geschichte einfügen, aber das würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen. Vielmehr möchte ich die Frage nach einer gemeinsamen Kultur beziehungsweise einer europäischen Identität stellen. Europa bietet eine große Vielfalt an kulturellem Erbe, viele Gemeinsamkeiten und große Unterschiede. Lasst uns daraus das Beste schöpfen!

Unsere Geschichte bringt selbstverständlich Verantwortung mit sich: die Folgen der Kolonialzeit ebenso wie die wirtschaftliche Ausbeutung in unserer globalisierten Welt. Der Wandel in eine digitale Gesellschaft, die Globalisierung der Wirtschaft, der Raubbau an den natürlichen Ressourcen unseres Planeten, der Klimawandel, die Bedrohung der Menschen durch Kriege, Flucht und Armut, soziale Ungerechtigkeit sind besondere Herausforderungen unserer Zeit.
Dazu ist visionäres Denken über Ländergrenzen und kontinentale Grenzen hinaus nötig. Ich persönlich sehe mich nicht nur als Europäer, sondern möchte Weltbürger sein.

Es ist an der Zeit, dass wir Verantwortung übernehmen und Europa weiterentwickeln und gemeinsame Werte schaffen. Überlassen wir Europa nicht denen, die auf einen neuen Nationalismus setzen, Grenzen schließen wollen und mit rechtspopulistischem Gedankengut unsere Gesellschaft vergiften.

Heute feiern wir den Tag der Deutschen Einheit und ich stelle jetzt einfach mal die Frage in den Raum: Warum gibt es keinen europäischen Feiertag?
Ich glaube ein solcher Feiertag wäre hilfreich für eine gemeinsame Identitätsfindung und das Gemeinschaftsgefühl der Menschen in Europa.


Mein Beitrag zur Blogparade “#SalonEuropa – Europa ist für mich…” zu der das Museum Burg Posterstein vom 23. September bis 23. Oktober einlädt. 



  1. Liebe Carola,
    vielen Dank für diesen zum Nachdenken anregenden Beitrag zu unserer Blogparade #SalonEuropa! Du sprichst darin alle die Widersprüche und Probleme an, mit denen unsere Gesellschaft gerade zu kämpfen hat. Nicht nur in Deutschland, in ganz Europa, wie du richtig feststellst. Das zeigt schon wieder, dass wir uns doch sehr ähnlich sind in den einzelnen europäischen Ländern. Und ja, warum gibt es keinen europäischen Feiertag? Welchen würdest du vorschlagen?
    Viele Grüße und herzlichen Dank für deine Gedanken zu #SalonEuropa!
    Marlene

  2. Liebe Carola,

    ein herzliches Dankeschön auch von mir für deinen berührenden Artikel zur Blogparade #SalonEuropa. Ich habe mir erlaubt, dich bei mir zu zitieren. Gerade die Forderung nach einer europäischen Wertegemeinschaft, die auch global funktionieren soll, finde ich richtig. Ja, wir müssen Missstände anprangern, damit sich der Rechtsdruck nicht weiter manifestiert.

    In Bayern sehen wir sehr bald, was hier passieren wird. Ich weiß nicht, ob mir davor bange sein soll. Was mich positiv stimmt, sind die zahlreichen Gegendemos zur braunen Soße. Ja, kaum zu glauben, welche Richtung Europa gerade nimmt – Populisten werden stärker. Um so wichtiger ist dann der digitale Salon – sprich #SalonEuropa – den Burg Posterstein angezettelt hat, an dem du dich mit wichtigen Gedanken beteiligst – auf das es mehr werden!

    Herzlich,
    Tanja

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